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»Schwarzbrot mit Gsälz« - Schwäbisch als Ausdruck von sprachlicher Identität und Kultur

Am 26. Oktober besuchte der Mundart-Künstler und Liedermacher Pius Jauch den Grundkurs in der Jahrgangsstufe 1, für den er ein eigens entwickeltes Programm zusammengestellt hatte. Der schwäbisch-alemannische Liedermacher setzt sich für den Erhalt von Mundart ein und brachte den Schülern „Schwäbisch“ kreativ und anschaulich näher.

Nach einem Einblick in seine Vita stellte Pius Jauch die Grundfrage, mit der er sich zu Beginn seiner Kariere auseinandersetzte, in den Raum: Kann man im Dialekt dichten und singen? So durchlief er zunächst einen Prozess, in welchem er anfangs auf Hochdeutsch und auch auf Englisch Lieder schrieb und diese auch den Schülerinnen und Schülern zum Besten gab.

Nach dem Abitur führte Pius Jauch Weg nach Italien, wo er mit Gelegenheitsjobs und der Musik seinen Lebensunterhalt bestritt. Italien war für ihn schließlich der Ort der Auseinandersetzung mit Sprache, denn auch dort war er mit Dialekten konfrontiert, was ihn schließlich zu seiner Entscheidung brachte, Lieder auf schwäbisch zu verfassen – die Initialzündung für sein heutiges Schaffen als Mundartkünstler sozusagen. Schwaben sei zwar kein Land, aber es gebe den schwäbischen Dialekt, mit dem sich mit Augenzwinkern vielleicht Dinge sagen ließen, die man so auf Hochdeutsch nicht ausdrücken könne. Ein weiterer Vorteil: „Schwäbisch ist kurz und prägnant“, so Jauch, das heißt, man kann mit wenigen Worten viel sehr viel sagen.  

So betexteten die Schülerinnen und Schüler in einer kreativen Arbeitsphase Cartoons, die Pius Jauch mitgebraucht hatte, und erfuhren so im praktischen Tun die Möglichkeiten des Umgangs mit der sprachlichen Varietät des Schwäbischen.

Immer wieder begeisterte Pius Jauch die Schülergruppe mit seinen Mundart-Liedern. So beschreibt er in seinem Lied „Schwarzbrot mit Gsälz“ seine Kindheit auf dem Land in seinem Heimatdorf Bösingen bei Rottweil – ein Ausdruck des sich Erinnerns an glückliche Momente der Geborgenheit Somit geht es bei Pius Jauch auch immer um Sprache und Identität – um Heimatgefühl. Gerade während seines Aufenthalts in Italien verspürte er immer wieder auch Heimweh, sodass die Auseinandersetzung mit Sprache, Identität und Heimat dazu führten, dass Jauch sich für den Erhalt des Schwäbischen einsetzt.

Der Arbeitskreis „Mundart in der Schule“ hat es sich zum Ziel gesetzt, Mundart-Künstlerinnen und – Künstler aus dem Land ins eigene Klassenzimmer zu bringen und Jugendliche für Dialekte zu begeistern. Der schwäbisch-alemannische Liedermacher Pius Jauch engagiert sich im Rahmen des Arbeitskreises und wurde 2021 mit der Heimatmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Autor/in: T. Zepf