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Politiker mit grundsätzlichen Aussagen zu wichtigen Themen

Von Robert King

Der Fritz-Erler-Berufschule in Tuttlingen „fehlt es an nichts. Der Kreistag hat viel Geld in die Hand genommen, und so sind wir mit angebunden an das W-LAN. Und wir sind bestens ausgestattet, so dass wir in den neuen Räumen unserer Schule naturwissenschaftliche Projekte auf ganz hohem Niveau durchführen können.“

Volker Kauder, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hörte es gerne, was Schulleiterin Ursula Graf bei der Begrüßung des prominenten Gastes über den Stand und die Ausstattung ihrer Schule sagen konnte. Ist doch das berufliche Schulwesen als einem wichtigen Pfeiler der Ausbildung für junge Menschen, mit dem beruflichen Gymnasium und der Hinführung zur allgemeinen Hochschulreife geradezu ein Merkmal baden-württembergischer Bildungspolitik, „wie es dies sonst nirgends gibt“, wie die Schulleiterin feststellte.

Konsens und nahtlose Übereinstimmung. Diese gibt es in der politischen Auseinandersetzung nur bedingt. Manche unterschiedliche Meinungen konnten auch festgestellt werden bei dem etwa 50-minütigen Gespräch zwischen dem CDU-Politiker und etwa 70 Schülerinnen und Schülern. Dass an dieser Begegnung („Es ist uns eine Ehre, dass Sie uns besuchen“, so die Schulleiterin) mehr Schüler in den Klassenraum strömten als dies erwartet worden war, zeigte das Interesse, im direkten Kontakt mehr über einen Politiker zu erfahren, der zwar in Tuttlingen zu Hause ist, den die meisten aber doch bis dahin eher via Fernsehen erleben konnten.

So entwickelte sich nach einer kurzen holperigen Phase (Volker Kauder, aufmunternd: „Wer die erste Frage stellt, bekommt morgen schulfrei“) eine lebhafte Debatte zu Themen, die den jungen Leuten wichtig erscheinen. Themen, bei denen es teilweise um hochmoralische Fragen ging und die Grundlagen des Politikverständnisses von Volker Kauder angesprochen wurden.

„Man kann da durchaus eine andere Meinung haben als ich sie vertrete, zum Beispiel bei der Freigabe von Cannabis“, sagte dieser in der sehr angeregten, von den Schülern sehr ernsthaft und seriös mitgestalteten Diskussions- und Fragerunde, „aber immer geht es um den Respekt voreinander. Ich mache Politik auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes, und da gehört es für mich dazu, dass ich den anderen in seiner Würde ernst nehme. Und umgekehrt erwarte ich dies auch.“ Womit auch der Umgang mit denjenigen im Lande angesprochen wurde, die in ihrer Wortwahl und im Auftreten das Gegenteil von demokratischer Kultur und von anständigem Verhalten an den Tag legen.

Selten wohl geht eine Unterrichtsstunde so schnell vorüber, wie dies an diesem frühen Nachmittag der Fall war. Nicht nur deswegen bedankten sich die Schülerinnen und Schüler bei Volker Kauder für diese so offene und nachdrückliche Diskussion und seine sehr eindrücklichen Worte mit herzlichem Applaus.

Besuch_Volker_KauderDerweil warteten in den naturwissenschaftlichen Räumen bereits die jungen Damen und Herren, die dem Gast mit großer Begeisterung und ebensolchem Sachverstand ihre Forschungen und Experimente vorstellten. Auf einem Niveau, das weit weg ist von dem früheren Denken, ernährungswissenschaftliche Bereiche „hätten zu tun mit kochen und gutem Essen“, so das Entzaubern von Vorstellungen, wie sie früher eventuell bestanden haben.

Nicht zuletzt die Leidenschaft und die „fröhliche Ernsthaftigkeit“ waren es, was Volker Kauder Mut machte ihn veranlasste, in die Leistungskraft und den Willen der jungen Leute, Verantwortung zu übernehmen, „denn in einem Land, das nichts im Boden hat, müssen die Leute es in der Birne haben.“ Denn die Risiken, die einem Land dann drohen, wenn die Leute sich zu sich fühlen und denken, der Wohlstand und auch der Frieden und die Sicherheit kämen von alleine, seien sehr trügerisch.

Autor/in: Robert King