Abschlussklassen erleben Büchner-Collage aus nächster Nähe
Einen besonderen Komfort genossen die BG-Abschlussklassen bei zwei aufeinanderfolgenden Theateraufführungen. Denn nicht die Schülerinnen und Schüler waren es, die zum Theater kamen. Vielmehr war es das Profi-Theater "THEATERmobileSPIELE", das mit einem ebenso beeindruckenden wie ungewöhnlichen Bühnenbild im Klassenzimmer der Fritz-Erler-Schule aufwartete.
Die Schülerinnen und Schüler staunten nicht schlecht, als aus einem zunächst aus Jutewänden und Kunststofffolien bestehenden Bühnenvordergrund plötzlich gespenstische Gesichter auftauchten, die zu Ihnen sprachen.
In der Inszenierung "büchner.die welt.ein riss" offenbarte sich ein für den Autoren Büchner typischer Spagat zwischen real-gesellschaftskritischen Aspekten sowie dessen historisch-literarischer Quellen. Immer mal wieder schwang ein Bezug zur heutigen Lebenswelt mit, ging Regisseur Thorsten Kreilos in einer Szene sogar soweit, Werbeartikel einer Fast-Food-Kette in die Szenerie mit einzubauen.
Dabei bediente sich der Gründer des Karlsruher Theaters verschiedener Briefe und Passagen der Werke Büchners. Beeindruckend, wie die Collage aus "Dantons Tod", "Woyzek", "Leonce und Lena" sowie "der Hessische Landbote" "miteinander korrespondierend und kommunizierend gegen- und nebeneinandergestellt", somit eine von Kreilos gewollte vielschichtige theatrale Textur erzeugt wurde. Und doch spielte der politisch-menschliche Diskurs von Danton stets eine zentrale Rolle.
Gerade die beabsichtige unmittelbare Nähe zum Geschehen - die Schüler saßen nur wenige Meter entfernt - bewirkte, dass der Darsteller sein Publikum über 75 Minuten lang komplett in seinen Bann zog. Gönnte Hellmann den Zuschauern in ruhigen, sensiblen Spielmomenten kurze Verschnaufpausen, so polterte der Künstler im nächsten Moment unberechenbar mit lautstark emotionalen Ausbrüchen über die Bühne, um das Publikum durch expressive Elemente in dessen verschiedene Gemütslagen zu versetzen.
Quasi im Vorbeigehen baute der Darsteller das Bühnenbild nach und nach bis auf ein kahles, nachhaltiges Holzkonstrukt ab. Schließlich wandelte er den Königsthron in nur wenigen Handgriffen in eine Guillotine um.
Im Anschluss bekamen die Schülerinnen und Schüler in einem Nachgespräch mit Regisseur und Schauspieler die Gelegenheit, sich offene Fragen zu Büchner, zum Bühnenbild, dem Darsteller oder der Idee des Regisseurs beantworten zu lassen.