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Ein Roman, der unter die Haut geht - Lesung von Andrea Sawatzki aus ihrem Roman »Brunnenstraße«

Am Sonntag, 16.10.22, besuchte eine Schülergruppe der SGGGEK die Lesung der bekannten Schauspielerin und Autorin Andrea Sawatzki. In ihrem autofiktionalen Roman „Brunnenstraße“ reflektiert sie ihre Kindheit, die maßgeblich durch die Beziehung zu ihrem an Demenz erkrankten Vater geprägt war.

Im Zuge des Tuttlinger Literaturherbstes war Andrea Sawatzki eigens aus Berlin angereist und stellte sich zunächst den Fragen des Moderators vom „Gränzboten“. „Ich habe es versucht. Immer wieder. Habe begonnen und abgebrochen. Und dann die Geschichte so erzählt, dass ich in mir selbst eine Fremde sehen konnte, mit der ich nichts zu tun hatte”, so Andra Sawatzki über den Prozess des Schreibens ihres Buches und über die Aufarbeitung eines tief sitzenden Traumas ihrer Kindheit.

Eindrücklich schilderte Andrea Sawatzki im Zuge der Lesung ihre Kindheit, die sie bis zur ihrem achten Lebensjahr bei ihrer Mutter verbringt. Nach dem Tod der Ehefrau ihres Vaters beschließen ihre Eltern, zu heiraten und in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen. Andra Sawatzkis Vater, Günther Sawatzki, ist ein angesehener Journalist. Doch erste Anzeichen seiner Krankheit lassen nicht lange auf sich warten, bis es dazu kommt, dass er nicht mehr für den finanziellen Unterhalt der Familie sorgen kann. Andrea Sawatzkis Mutter ist nun gezwungen, wieder im Klinikum zu arbeiten, um die Familie durchzubringen. Die finanzielle Misere der Familie lastet schwer auf der Beziehung der Eltern. Als die Krankheit des Vaters voranschreitet, ist Andrea Sawatzki in die Pflege und Betreuung ihres Vaters bis zu seinem Tod eingebunden. Hass, Hilflosigkeit und Aggression im Wechselspiel mit Zuneigung prägen die Zeit, die Andrea Sawatzki allein mit ihrem Vater verbringen muss – bis zu seinem Tod, anlässlich dessen sie große Erleichterung empfindet.

Andrea Sawatzki, geboren 1963, gehört zu den bekanntesten deutschen Filmschauspielerinnen. Ihr Debütroman „Ein allzu braves Mädchen“ aus dem Jahr 2013 stellt den Auftakt ihrer Kariere als Autorin dar. Ihr aktueller Roman „Brunnenstraße“ arbeitet die schwierige Beziehung zu ihrem kranken Vater auf, den sie bis zu seinem Tod gemeinsam mit ihrer Mutter betreute und pflegte.